Nicht nur die Temperaturen ziehen aktuell kräftig an – auch in der SEA-Welt geht es heiß her. Google und Microsoft liefern gleich mehrere spannende Updates, die von KI-gestützten Neuerungen über Änderungen bei Demand Gen bis hin zu neuen Analyse- und Targeting-Möglichkeiten reichen. Welche Auswirkungen die wichtigsten Neuerungen auf Eure Kampagnen haben und worauf Ihr jetzt achten solltet, erfahrt Ihr in unseren aktuellen SEA News.
Google Ads – AI Brief statt Keywords?
Das Thema AI Brief ist nicht total neu, sondern über die Google Announcements der Marketing Live und I/O bereits bekannt. Nur: Was genau soll oder wird jetzt passieren? Und wohin gehen wir mit dem AI Brief nun eigentlich?
AI Brief: Geht das Keyword bald in Rente?
Seit einer gefühlten Ewigkeit munkelt die Szene über den Tod des Keywords, doch jetzt liefert Google mit dem AI Brief anscheinend den lang erwarteten technischen Ersatz.
Der Hintergrund: Durch den AI-getriebenen Wandel im Suchverhalten geben Nutzer immer häufiger lange, konversationelle Prompts in das Suchfeld ein – im Schnitt dreimal so lang wie bisher! Ein solch komplexes Suchverhalten fangen (auch laut Google) klassischen Match Types und Keyword-Kombinationen kaum noch treffsicher ab.
Hier kommt wohl AI Brief ins Spiel. Dabei handelt es sich um Gemini-basiertes Messaging, mit dem Ihr AI Max-Kampagnen (vermutlich auch PMax) künftig „prompt-basiert“ steuern könnt. Das bedeutet: Statt Keyword-Listen hochzuladen, füttert Ihr das System mit sogenannten Messaging-, Matching- und Audience-Guidelines. Ihr beschreibt in eigenen Worten Euer Angebot, gebt genau vor, was in der Anzeige stehen soll (und was auf keinen Fall – über den Bereich Textanpassung quasi schon vorhanden) und definiert Eure Zielgruppe. Wir hoffen darauf, dass als Rückmeldung eine Vorschau der generierten Assets und der anvisierten Suchanfragen und Zielgruppe dargestellt wird.
Offene Fragen:
- Wie gestaltet sich die „Kommunikation“ mit der AI – insbesondere welche Rückmeldung erhalten wir zu den Briefs?
- Wenn das Targeting nicht mehr komplett über Keywords läuft, wie gestaltet sich die Performance Analyse und das Monitoring der Performance?
- Und natürlich: Wann startet der AI Brief konkret für uns (wir stehen noch vor dem Launch)?
Unsere Empfehlung: Testet und nutzt die bereits bestehenden AI Max Features so gut wie möglich. Somit erspart Ihr euch künftige Überraschungen und seid – so gut es geht – vorbereitet auf den AI Brief für eure Kampagnen.
Google Ads – Neue Richtlinien und Abrechnungsmodell bei Demand Gen
Auch zu Demand Gen bei Google Ads gibt es ein paar Anpassungen. Zum einen wurden die Richtlinien für sensibles Zielgruppen-Targeting präzisiert, zum anderen ändert Google für bestimmte Kampagnen das Abrechnungsmodell.
Google präzisiert Richtlinien für sensibles Zielgruppen-Targeting
Die Werbeplattform hat nun präzisiert, wie die Richtlinien für sensibles Zielgruppen-Targeting in Demand Gen- und Discovery-Kampagnen anzuwenden sind. Die Aktualisierung bringt jedoch keine neuen Einschränkungen mit sich, sondern erläutert genauer, in welchen Fällen bestimmte Zielgruppen-Targeting-Optionen nicht zulässig sind oder die Reichweite von Kampagnen eingeschränkt werden kann. Für Demand Gen- und Discovery-Kampagnen mit sensiblen Themen (z. B. Gesundheit oder finanzielle Schwierigkeiten) sind von Euch erstellte Zielgruppen wie Customer Match, Remarketing oder benutzerdefinierte Segmente nur eingeschränkt oder gar nicht zulässig. Stattdessen können Googles vordefinierte Zielgruppen genutzt werden – allerdings kann dies die Reichweite reduzieren und die Kampagnenleistung beeinflussen, da Anzeigen weniger präzise ausgespielt werden. Für die meisten Werbetreibenden ändert sich praktisch nichts. Unternehmen aus den angesprochenen Branchen sollten jedoch prüfen, welche Zielgruppen sie in ihren Demand Gen- und Discovery-Kampagnen einsetzen.
Google stellt für bestimmte Demand Gen-Kampagnen auf CPM-Abrechnung um
Ab dem 15. Juli 2026 gilt für bestimmte Demand Gen-Kampagnen auf Discover ein neues Abrechnungsmodell. Betroffen sind Kampagnen, die auf View-Through Conversions (VTC) optimiert werden. Statt wie bisher auf Cost-per-Click (CPC) basiert die Abrechnung künftig auf Cost-per-1.000-Impressions (CPM). Hintergrund ist, dass bei VTC-optimierten Kampagnen die Sichtbarkeit einer Anzeige wichtiger ist als der eigentliche Klick – entsprechend soll das Abrechnungsmodell besser zum Optimierungsziel passen. Alle anderen Demand Gen-Kampagnen bleiben aber unverändert.
Google Ads – Accounts stärker absichern
Leider kommt es aktuell zu einer Häufung von Hackerangriffen auf Google Ads Accounts. Daher möchten wir Euch dringend bitten, die Sicherheit Eurer Konten zu überprüfen und bestehende Sicherheitsmaßnahmen konsequent umzusetzen.
Ein wichtiger erster Schritt: Prüft, welche Nutzer Zugriff auf Eure Google Accounts haben. Entfernt nicht mehr benötigte oder unbekannte Nutzer, um potenzielle Angriffsflächen zu reduzieren. Jeder aktive Nutzer sollte außerdem die aktuellen Sicherheitsstandards erfüllen.
Google hat passend dazu eine neue kompakte Übersicht im Bereich „Zugriff und Sicherheit“ von Google Ads eingeführt. Über den neuen Summary-Tab lassen sich wichtige Sicherheitsinformationen zentral prüfen – darunter der Status von Passkeys, Nutzerprüfungen und verbundenen Domains.
Quelle: adseed
Die Übersicht zeigt direkt, welche Sicherheitsmaßnahmen noch fehlen und wo Handlungsbedarf besteht. Nutzt diese Hinweise bitte aktiv und nehmt sie ernst, um Eure Accounts und Kampagnen bestmöglich zu schützen.
Google Ads – Automatische Klassifizierung conversionbasierter Kundenlisten
Google Ads führt eine weitreichende Automatisierung für Customer-Match-Listen ein, die auf Conversion-Daten basieren. Ab August 2026 ordnet das System diese Listen automatisch den Segmenten „Bestehende Kunden“, „Neukunden“ oder „Andere“ zu. Bisher konntet Ihr diese Kategorisierung selbst flexibel festlegen oder Listen einfach unklassifiziert lassen. Daher fällt diese manuelle Kontrolle künftig weg, da die Google-KI einheitlichere Signale für die Optimierung der Customer Journey benötigt. Auf diese Weise sollen vor allem Smart-Bidding-Strategien zur Kundenbindung und Neukundengewinnung präziser gesteuert werden.
Diese Änderung betrifft Euch besonders dann, wenn Ihr gezielte Strategien zur Akquisition oder Kundenbindung nutzt. Da fehlerhafte Daten die Leistung Eurer Gebotsstrategien massiv beeinträchtigen können, solltet Ihr die Zuordnungen genau im Auge behalten. Eine falsche automatische Einordnung durch das System führt unter Umständen zu ineffizienten Budgetallokationen. Obwohl Automatisierungen viel Arbeit abnehmen, verlangen sie gleichzeitig eine intensivere Kontrolle der Datenbasis.
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Google Ads – Asset-Tests für Performance Max
Ab sofort habt Ihr die Möglichkeit in Pmax-Kampagnen, die Performance unterschiedlicher Assets gezielt gegeneinander zu testen. Ihr wollt wissen, ob Eure frischen, saisonalen Bilder besser performen als die bewährten Evergreen-Varianten oder welchen Impact das Hinzufügen neuer Creatives hat? Genau das lässt sich nun valide messen. Besonders spannend: Auch KI-generierte Inhalte aus dem Asset Studio könnt Ihr nun unkompliziert gegen Eure bestehenden Assets testen.
Damit Ihr die Ergebnisse Eurer Tests nicht nur an einer einzigen KPI festmachen müsst, führt Google zudem bald eine optionale zweite Erfolgsmetrik ein. Das gibt Euch einen detaillierteren Einblick in die Gesamtperformance und macht es Euch leichter, den echten Gewinner eines Experiments zu identifizieren.
Unsere Einschätzung: Ein extrem nützliches Update! Endlich könnt Ihr bei der Creative-Erstellung auf harte Daten setzen und Eurem Design-Team handfestes Feedback zurückspielen, was in PMax wirklich funktioniert. Schluss mit Bauchgefühl. Das macht die künftige Assetproduktion viel zielgerichteter und ist ein echtes Upgrade für unser aller Daily Doing.
Quelle: adseed
Microsoft Advertising – Mehr B2B-Präzision und bessere Produktanalysen
Microsoft Advertising erweitert seine Plattform um zwei neue Funktionen, die sowohl B2B-Werbetreibenden als auch E-Commerce-Unternehmen mehr Transparenz und Steuerungsmöglichkeiten bieten. Während das LinkedIn-Targeting von Microsoft um ein wichtiges Merkmal ergänzt wird, erhalten Händler mit dem Product Explorer ein neues Tool zur Analyse ihres Produktkatalogs. Beide Punkte schauen wir uns jetzt genauer an.
LinkedIn-Targeting jetzt auch nach Karrierestufe
Microsoft ergänzt seine bestehenden LinkedIn-Zielgruppenmerkmale wie Branche, Unternehmen und Jobfunktion um eine weitere wertvolle B2B-Targeting-Option: ein Filter für verschiedene Karrierestufen. So könnt Ihr die Anzeigen Eurer Such- und Audience-Kampagnen noch gezielter an Entscheidungsträger verschiedener Hierarchieebenen ausspielen. Dabei kann das Targeting sowohl auf Kampagnen- als auch auf Anzeigengruppenebene eingesetzt werden und das Feature soll in zahlreichen Märkten weltweit ausgerollt werden. Wir sehen es aktuell aber noch nicht. Aus unserer Sicht ist dies eine sinnvolle Erweiterung für B2B Advertiser, da Microsoft Advertising damit einen Wettbewerbsvorteil bietet, den Google Ads in dieser Form nicht abbilden kann.
Product Explorer sorgt für mehr Transparenz im Merchant Center
Mit dem neuen Product Explorer führt Microsoft Advertising ein Analyse-Tool ein, das Euch einen besseren Überblick über Euren Produktkatalog im Microsoft Merchant Center verschaffen soll. So lässt sich künftig schnell erkennen, welche Produkte ausgeliefert werden, welche aufgrund von Fehlern nicht ausgespielt werden und welche Artikel besonders gut performen. Dadurch könnt Ihr Probleme im Feed oder im Produktbestand deutlich schneller identifizieren und beheben.
Quelle: adseed
Außerdem ist es möglich, detailliertere Einblicke in die Performance einzelner Produkte zu erhalten und Optimierungspotenziale gezielter zu erkennen. Zum Start sollte der Product Explorer eigentlich zunächst US-amerikanischen Händlern mit Produktkatalogen von bis zu 100.000 Artikeln zur Verfügung stehen – in unseren Accounts ist er aber auch schon vorhanden. Wir sind darüber hinaus der Meinung, dass das neue Tool den Analyseaufwand und die Feed-Optimierung gerade für E-Commerce-Unternehmen deutlich reduzieren dürfte.
Weitere Kurznachrichten
Google Ads – Verspätung bei der DSA Migration zu AI Max
Ist Google zu schnell für Google? Es scheint fast so, und Google tritt auf die Bremse. Konkret: Die automatische Migration von DSA Targeting in AI Max Kampagnen wird um einige Monate verschoben. Neues Ziel: Februar 2027. Ihr könnt die Migration weiterhin selbst anstoßen und auf Google´s Deadline pfeifen.
Chat GPT Ads – Neue Märkte, neue Placements
Wir bleiben noch außen vor, schauen aber leicht neidisch auf UK, Japan, Brasilien, Süd Korea und Mexiko. Denn dort bietet ChatGPT den Ads Manager und damit die Ads als nächstes an. Ebenfalls neu: „Multi-Advertiser Placements„. Statt wie bisher nur ein einziges gesponsertes Ergebnis anzuzeigen, gruppiert das neue Format künftig mehrere relevante Anzeigen gebündelt in einer Platzierung innerhalb der ChatGPT-Konversation.
Google Analytics – Neue Auswertungsmöglichkeiten
Google Analytics führt eine neue Berichtsdimension namens Source Group (Quellengruppe?) sowie Hostnamen-Filterfunktionen ein. Letzteres ermöglicht es Werbetreibenden, Ereignisse von nicht genehmigten Domains auszuschließen, bevor sie in die Berichterstattung einfließen. Heißt für uns: Mehr Genauigkeit in den Daten, indem weniger unerwünschter Traffic einfließt.
Lesetipps
Google rollt neue Gemini-Funktionen für KMUs aus. Durch die direkte Anbindung an Euer Google Business Profil versteht die KI Euer Business nativ und hilft Euch künftig über zentrale „Business Notebooks“ direkt im Alltag bei der Profilpflege, Rezensionen und Trendanalysen.
Bevor Ihr das nächste Mal an Euren Gebotsstrategien schraubt, solltet Ihr Euren Produkt-Feed checken. Dieser Artikel erklärt, warum schwache Daten Eure PMax ausbremsen und wie Ihr mit dem passenden Audit ungenutzte Umsatzpotenziale Eures Katalogs sofort freilegt.
Die Trennung von Paid und Organic bröckelt. Jason Barnard erklärt eindrucksvoll, wie Gemini beide Welten verschmelzen lässt. Lest unbedingt rein, um zu verstehen, warum ein starkes organisches Fundament künftig Eure Klickpreise im Google Ads-Konto drastisch senken kann.
Auch beim nächsten Mal halten wir Euch über die wichtigsten Entwicklungen aus der SEA-Welt auf dem Laufenden. Bis dahin wünschen wir Euch erfolgreiche Kampagnen und ein paar sonnige Tage!



